Tour durch Waldkirchen

Station 11

Brauerei

Anton Ratzesberger erzählt vom Aufstieg und Niedergang eines Gewerbes

Am Marktplatz vor dem sog. Baronhaus, der alten Brauerei, betrachtet der ehemalige Besitzer der 2. Hälfte des 19. Jh., Anton Ratzesberger (= R), seinen alten Besitz. Glücklicherweise trifft er auf deine Mitarbeiterin der Touristinfo (= T), die ihm etwas über die weitere Geschichte seines einstigen Brauhauses erzählen kann.

R: Was ist denn nun dort in meiner alten Brauerei?

T: Sie haben das Haus mal besessen? Ich wusste bisher nur von einer Fotowerkstätte auf dem Gebäude, auch eine Bank und Bäckerei kannte ich. Und seit kurzem ist nun auch das Tourismusbüro der Stadt hier.

R: Tourismus? Sie meinen wohl Sommerfrische? Hier hab einst ich gelebt.

T: Sie wohnten hier mal?

R: Wohnte? Neeein! Ich hab das alles hier besessen, alles …. Und alles verloren. Hier übernahm ich die Brauerei meines Vaters, Anton Ratzesberger. Ich, Anton der Junge, war auch Bürgermeister hier im Ort! Ich hatte großen Reichtum, viel Besitz in ganz Waldkirchen und Umgebung, viele Kinder. Und meine geliebte Frau – stets in neuester Mode, musste nicht ein Kleid zweimal tragen. Ein falscher Berater hat mir dann aber alles geraubt und 1898 musste alles versteigert werden. Gekauft hat es ein Osterhofener für seinen Schwager – den Freiherr von Münster.

T: Ja, den Baron von Münster kenn ich doch – darum heißt der Innenhof ja auch noch Baronhof. Bis 1949 hat er hier gebraut! Wo lebten dann Sie?

R: Na also an mein Bier kommt er nicht an! Und danach? Nur noch zur Miete. Und die Sorgen erdrücken mich. Zwei Töchter konnte ich verheiraten, eine starb jung als Klosterfrau, eine lebte in München, mein Raymund braut in Straubing, zwei weitere Söhne sind schon verstorben und zwei Kinder pflege ich mit meinen 70 Jahren noch. Sie haben schwere Geisteskrankheit. Sie haben den Verlust des Reichtums nicht überstanden. Sie schimpfen auf mich, schlagen mich – aber in die Irrenanstalt kann ich sie doch nicht geben, sie sind doch mein eigen Fleisch und Blut. Doch fehlt mir bald die Kraft.

T: Also, meinen Sie nicht, dass Irrenanstalt ein unpassender Ausdruck ist? Eine Pflegeeinrichtung wäre doch das Beste dann für sie?

R: Pflegeeinrichtung nennt sie die Irrenanstalt in Deggendorf? Keiner kommt da lebend raus, ich wills ihnen doch so sehr ersparen, aber mir schwinden die Kräfte. Nun will ich dir nicht mehr die Zeit rauben, sicher hast du Wichtigeres zu tun, als dir die Sorgen von so einem Alten anzuhören. 

T: Ein armer Mann, seine Geschichte war doch einst so vielversprechend, man kann es heute noch im Museum Goldener Steig erfahren.