Tour durch Waldkirchen

Station 7

Ringmauerturm

Polizist Josef Fuchs erwischt (fast) einen Verbrecher

Vor dem Kapplerturm, dem alten Gefängnis Waldkirchens, glaubt der Polizist Josef Fuchs (= F), der in der ersten Hälfte des 20. Jh. tätig war, endlich seinen Dieb gefasst zu haben. Was der Waldkirchner (= W) aus heutiger Zeit wohl darüber denkt?

F: Halt! Hierher! Endlich hab ich dich, bist wohl der Betteldieb, der sich schon seit Wochen hier rumtreibt. Mit deinem Lumpengewand fällst du ja sofort auf. 

W: Was wollen Sie von mir? Lumpengewand? Das ist ne Designer-Jeans, die hat 120 gekostet.

F: Erzählen kannst du viel. Lass sehen, was hast du denn da für Geld in deinen Taschen? Echte Mark sind das nicht! Die kannst du wohl kaum irgendjemanden gestohlen haben.

W: Ich weiß gar nicht, von was du überhaupt redest.

F: Mir scheint allmählich, du bist doch nicht der, den ich suche. Aber dein Lumpengewand macht dich zu verdächtig. Hast wohl doch Glück gehabt. In ganz alten Zeiten wärst du jetzt da unten in dem Turm gelandet.

W: Hier war das Gefängnis?

F: Aber schon hunderte Jahre nicht mehr. Aber noch zu Fürstbischofszeit, also vor 1806, soll hier die Zelle gewesen sein. Ein wohl unangenehmes Plätzchen in dem kalten Turmkeller.

W: Und wo war die danach, die Gefägniszelle?

F: Im unteren Torhaus der Ringmauer am Ende des Marktplatzes, dort beim alten Stadtwappen, gab es eine Zelle. 1862, nach dem Bau des Amtsgerichtes, war sie dann dort. Aber schöner war‘s da auch nicht, im Winter fürchterlich kalt und kaum was zum Essen hats gegeben.

W: Ja aber, wer soll denn in Waldkirchen da groß eingesessen haben – dein Betteldieb und sonst niemand.

F: Oh, da irrst du dich! Um 1900 ist es ordentlich zugegangen hier. Tödliche Rauferein, Messerstecher, Mörder, Schmuggler mit der Pistole in der Jacke, und viele mehr habe ich hier verhaftet. Oft war es ganz schön brenzlig.

W: Und an welchen Fall erinnerst du dich am besten?

F: An einen Lausbuben, der da gleich hinter dem Turm gleich gewohnt hat. Der war so 10 Jahre alt, aber der hat genau gewisst, wie es geht. Er hat den Leuten die Hausschlüssel aus der Tasche gestohlen und dann die Wohnungen ausgeraubt, während die Leute unterwegs waren. Der Vater wusste sich nicht anders zu helfen, als den Knaben grün und blau zu schlagen, aber das hat ihn nur noch mehr angestiftet.

W: Und wie ist die Sache ausgegangen?

F: Nach einer Erziehungsanstalt war er wahrlich geläutert und hat wieder hier im Ort gelebt. Jaja, so unschuldig ist es hier gar nicht gewesen in den Jahren nach 1900. Nun aber genug Plauderei, die Steuern muss ich jetzt auch noch einheben. Die geizigen Bürger am Markt kann ich kaum mehr ertragen. Aber komm doch mal im Museum im Wehrturm am Büchl vorbei, da findest du mich öfter. Nach getaner Arbeit kann ich dir dann vielleicht noch mehr erzählen.