Tour durch Waldkirchen

Station 3

Alter Friedhof

Zechprobst Baumgartner erzählt vom Totengedenken in alter Zeit

Auf dem alten Friedhof bei der Kirche unterhalten sich Josef Baumgartner (=Josef) und eine junge Frau. 


Josef: Mädel, ich hoff, du weißt, wo wir uns hier befinden?

Frau: Ja, die Wiese neben der Kirche! Was soll da schon groß sein?!

Josef: Oh, Unwissende! Als 1857 hier die neue Kirche begonnen wurd zu erbauen, war da noch der Friedhof. Tote von Jahrhunderten liegen hier. Auch meine Familie, meine kleine Schwester, die so hat leiden müssen an der Frais.

Frau: Die Frais? Was meinst du damit?

Josef: Die Frais – die armen Kinder, meist ganz unterernährt, krank, irgendwann krampfen sie, scheiden erbärmlichst von uns, ersticken. So vielen hab ich als Zechprobst schon das Kreuz getragen. Auch meine Schwester liegt hier, als ich zwölf war, starb sie, ich werd’s nie vergessen können.

Frau: Zechprobst? Was ist jetzt das schon wieder?

Josef: Nun ja, ich sammle das Klingelgeld im Gottesdienst, trag den Toten das Kreuz – auch meinen Eltern und den guten Bekannten. Und ein bisschen kann ich mir noch was aufbessern. Denn ich bin schon 72 Jahre alt, ledig, ohne Kinder, hab nur mehr meine Geschwister, aber sind halt auch schon alle alt, auch ohne Weib oder Mann. Und mit meinen alten Jahren, was soll ich da noch groß arbeiten als Weber.

Frau: Und was ist mit Rente?

Josef: Rente? Was meint ihr? Ich versteh nicht. Nun wenigstens der Zechprobst gibt mir noch ein bisschen was ab. Aber seit dem neuen Friedhof muss ich nun einen steilen Berg gehen, wer weiß, wie lang’s mir noch bleibt.

Frau: Und warum ist dann heute hier kein Friedhof mehr?

Josef: Als 1857 die Kirch hier wurd neu gebaut, sie wurde größer als die alte, man brauchte den Platz und so siedelte man den Gottsacker auf den Büchl aus. Auch ist der Boden hier sehr schlecht, der Binder-Totengräber hat oft nicht tief genug gegraben – das hat manchmal furchtbar gestunken, wenns ein warmer Sommer gab.

Frau: IIIhhh … Und was wurde mit all den Toten?

Josef: Sie liegen immer noch hier! Man findet noch Knochen von all denen, die mir vorausgegangen sind. Man muss gar nicht tief graben. Jetzt muss ich aber gehen, muss wieder einer den letzten Weg führen – der Schmid Maria, ein armes Inleit.


Erzähler: Dieses Totengeleit war das letzte des Josef Baumgartner. Am 9. Dezember 1884 verstarb er als treuer Zechprobst auf dem Gottesacker am Grabe, als er der Leiche der Maria Schmid das Kreuz vorantrug, traf ihn der Schlag. Die Geschichte von seiner kleinen Schwester erfährt man im Museum.