Tour durch das Museum
Station 5
Votivtafel
Hilferuf durch Wallfahrt
Dass Waldkirchen auch einmal ein Wallfahrtsort war, weiß heute kaum einer mehr. Wer wäre wohl besser geeignet, Ihnen die Geschichte unserer Lieben Frau zu Frischeck nahe zu bringen, als ich – Kaplan Hueber – der Verfasser des Mirakelbuches der Wallfahrt zu Frischeck. Was ein Mirakelbuch ist? Ein Buch über die Entstehung und die Wundertaten der Madonnen-Statue. Aber jetzt lass mir dir doch ein paar Zeilen aus meinem Büchlein erzählen:
Am 19. Tag Monats Marty anno domini 1679 erzeigter ehelicher Sohn Joseph Märkhl von Thyrnau hatte bis zu seinem 28. Lebensjahr keine Profession. Von 1707 an erlernte er jedoch den Maurersberuf, reiste durch Europa und verheuratete sich 1719 mit Sophia des Stephan Schmid bürgl. Zimmermanns allda hinterlassen Wittib und bekam beim Hereingehen beim obern Tor auf der Rechten Andthe Haus. Unweit vom Markt in Frischeck gehörte ihm eine Wiesn. Hier weilte er gerne zur Rast und hatte bald ersucht, um die Erlaubnis eine Kapelle dort zu bauen. Dies tat er auch und setzte darin ein Abbild der Maria von Zell aus einer Waldkirchner Werkstatt ein. Es geschah noch 1722. Alsbald wurde Märkl durch Fürbitten bei seiner lieben Frau von einem schweren Rückenleiden geheilt, welches er sich zuzog, als er ein viertl Maß Kornsack über die Stiegen trug und stürzte, ihn dieser unter sich begrub.
Bald kam es zu weiteren wundersamen Taten auf Fürbitten unserer Frischecker Madonna – alle kamen zu mir und bezeigten die Taten, die ich in mein Mirakelbuch einschrieb. So begann die große Wallfahrt und schon bald musste die Kapelle vergrößert und erneut werden. In dieser Zeit stand das Marienbild in unserer Pfarrkirche. Kurz nach Vollendung gelang es dem damaligen Dekan Loraghi aber die Wallfahrt dauerhaft in unsre Kirche zu verlegen. An die Wundertaten in Frischeck erinnerten nur noch diese Votivtafeln – Tafeln, die als Dank gestiftet wurden und meist das Wunder zeigen.
Sehen Sie doch einmal genau hin, dann erkennen Sie ja vielleicht auch diese Wundertat. Die Kapelle selbst, so erzählte man mir, sei 1809 profaniert worden und an private Besitzer verkauft worden.
Nach über 100 weiteren Jahren wurde der größte Teil abgerissen, die Mauerreste wurden 1958 instandgesetzt. Erst 2020 wurden auch diese dem Erdboden gleich gemacht. Auch die Wallfahrt selbst nahm ein baldiges Ende, noch um 1800 sprach kaum mehr einer davon - weshalb weiß nur Gott.
Nun aber wohl genug von der Geschichte. Vielleicht besuchen Sie die Marienstatue einmal. Wer weiß, welche Wunder sie an Ihnen wirken kann. Sie steht bis heute in unsrer schönen Pfarrkirche.