Tour durch das Museum

Station 2

Fraisenketten

Hilfe durch Aberglauben

Der junge Josef Baumgartner erwirbt am Markt eine Fraisenkette, eilt zu seiner Mutter und hofft auf Genesung seiner kleinen Tochter.


Josef: Werter Händler, ich sehe gerad die Fraisenkette da? Was wollt ihr haben dafür? Sagt mir nur euren Preis?

Händler: Wer bist du eigentlich? Mir scheint, du bist noch reichlich jung, so ein teures Heilmittel zu bezahlen!

Josef: Ich bin vom Baumgartner oben am Büchl. Ich bin freilich erst zwölf Jahre, aber meine Mutter gab mir Geld – meine kleine Schwester Maria, kaum ein Jahr, liegt schon mehrere Tage krank und wir fürchten, dass sie nun bekommt die Fraisen.

Händler: Nun, wenn das so ist, so will ich sie dir für 5 Gulden und 25 Kreuzer geben!

Josef: Das zahle ich freilich, wenn meiner liebsten Schwester nur der grausame Krampftod erspart bleibt. Sie ist mir doch das Liebste.

Händler: Nun denn! Der Quacksalber, der es mir gab, meinte, es hätt schon vielen geholfen.

Josef: Vielen Dank.


Mutter: Josef, mein Sohn, hast du eine Kette kaufen können.

Josef: Werte Frau Mutter, zwar um 5 Gulden, aber es war die einzige, die ich gesehen habe.

Mutter: Häng sie ihr um, hoffen wir, es wird ihr helfen.

Josef: Sie weint so. Wenn der Herrgott doch nur hätt Erbarmen mit ihr.

Mutter: Komm Josef, lass uns beten, mehr steht nicht mehr in unserer Macht. Sogar der Bader hat nicht viel ausrichten können. Die Kette ist unsere letzte Hoffnung.

Josef: Sie ist so mager geworden, weshalb weint sie nur so – ihr Mund ist schon ganz trocken. Mutter, sie wird ganz blau! Sie zittert so, was geht hier bei?

Mutter: Schnell Sepp, lauf zum Staudenhöchtl Doktor. Schnell!

Josef: Maria ist ganz weiß, regt nichts mehr? Ist sie … War es gar die falsche Kette?


Erzähler: Maria Baumgartner, 21. Mai 1823 bis 16. September 1824, Todesursache „Frais“ – bestattet am alten Friedhof bei der Kirche. Die Frais war eine alte Krankheitsbezeichnung für weitverbreitete Krampfleiden jeglicher Art. Durch Mangelernährung der stillenden Mütter, angeborene Leiden, Fieber und noch vieles mehr kam es sehr häufig zu diesen Krämpfen. So starben allein im Jahr 1807 in Waldkirchen mehr als die Hälfte der verstorbenen Kleinkinder an diesem Leiden. Eine Kette mit abergläubischen Anhängern – wie diese Fraisenkette – war für viele die einzige Hoffnung. Durch ihr Tragen erhoffte man sich Hilfe – Hilfe die viel zu selten gewährt wurde.